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The Bang Bang Club

In der Zeit zwischen der Freilassung Nelson Mandelas (1990) bis hin zu seiner Wahl zum Präsidenten Südafrikas (1994) machten vier Kriegsreporter ganz besonders von sich reden: Kevin Carter, Greg Marinovich, Ken Osterbroock (alle Südafrikaner) sowie der Portugiese Joao Silva. Sie waren während der Apartheid besonders in den Townships Südafrikas aktiv und erlangten dadurch nicht nur weltweite Aufmerksamkeit durch ihre Fotos, sondern auch den Spitznamen „Bang Bang Club“. Dieser Name stammt aus der Feder des südafrikanischen Magazines „Living“ und sollte ursprünglich „Bang Bang Paparazzi“ lauten, was den Fotografen aber nicht behagte. Schließlich sahen sie sich nicht als Skandalreporter, sondern wollten nur die Realität in ihren Bildern wiedergeben, was ihnen auch genial gelang. Zwei von ihnen, Marinovich und Carter, erhielten für ihre Werke den Pulitzer-Preis.

Ansonsten waren sie nicht gerade vom Glück verfolgt: Osterbroock wurde am 11.04.1994 beim Kampf zwischen nationalen Friedenstruppen und Unterstützern des African national Congress erschossen. Marinovich überlebte zwar, wurde aber schwer verletzt. Carter kam mit den Geschehnissen und Erlebnissen des Krieges nicht klar und beging Selbstmord. Im Jahre 2010 trat Silva auf eine Landmine in Kandahar; beide Beine wurden ihm weggefetzt.

Der Regisseur Steven Silver beschäftigt sich in seinem 2011 gedrehten Film „The Bang Bang Club“ mit der Geschichte eben dieser vier Männer. Im Mittelpunkt der Story steht die Zerrissenheit der Kriegsreporter, deren Leben ständig in Gefahr ist und die sich zwischen Angst und Adrenalinkick bewegen. Um all das Schreckliche zu verdrängen, greifen sie zu Alkohol, Frauen oder Drogen – doch die Bilder verschwinden nicht aus ihrem Kopf. Depressionen bis hin zu Selbstmorden sind die Folge…

Die Kritiker bewerteten diesen Film zu 78 % positiv. Anstoß nahmen sie lediglich an der Paradoxität der Thematik der Kriegsreporter im Allgemeinen: Pulitzerpreise für Paparazzi? Sie halten es für kontraproduktiv, „Schaulust zu belohnen“ – obwohl Kriegsfotografie wohl kaum als solche zu bezeichnen ist…Vielmehr dreht es sich dabei um die Fragen, die jeden Kriegsreporter beschäftigen: wie viel Menschlichkeit ist erlaubt? Wie viel Gefühl darf ich selber zulassen, ohne daran zu zerbrechen? Und genau diese Themen beschäftigen die Zuschauer auch nach den 108 Minuten Film weiter – mich jedenfalls hat es beschäftigt, und ich halte „The Bang Bang Club“ für einen der anrührendsten und emotionalsten Filme der letzten Jahre. Übrigens ohne kitschig zu sein. Einfach ein ganz toll gemachter, bewegender realistischer Film, den ich Euch sehr empfehlen möchte.

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