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Die fiktiven Helden von Cornwell, Reichs und Becket: Gerichtsmediziner in der Literatur

Der Tod in allen möglichen Variationen hat schon von jeher die Menschheit fasziniert. Ob in der Literatur, im Film oder in der bildenden Kunst – immer hatte er seinen Platz inne. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass irgendwann auch diejenigen in den Fokus des Interesses rücken, die sich beruflich mit dem Tod und seinen Ursachen beschäftigen: die Gerichtsmediziner.

Seit „Quincy“ 1976 erstmalig über die Bildschirme flimmerte, eröffnete sich eine völlig neue Thematik, welche sich schwerlich in ein bestimmtes Genre einordnen ließ. Ein wenig Medizin, ein wenig Krimi, ein wenig Thriller – der Grundstein war gelegt, und auf dieser Welle schwimmen heute diverse Autoren und ihre (fiktiven) Charaktere. Eine der bekanntesten ist wohl die US-Amerikanerin Kathy Reichs mit ihrer Anthropologin Temperance Brennan. Die heute 61-jährige Reichs, selbst in diesem Bereich tätig, verarbeitet in ihren Romanen berufliche Erfahrungen. Ihre Erzählungen sind sehr detailliert und fast schon als grausam zu bezeichnen – aber dennoch in meinen Augen ausgesprochen lesenswert. Die Autorin lebt – genau wie ihre Protagonistin – in Charlotte (USA) und Montreal (Kanada), und lässt neben den beruflichen Erfahrungen sehr viel Persönliches in ihre Romane einfließen. Schon alleine deshalb ist Temperance Brennan ein Charakter, der sehr real und menschlich wirkt. Genauso erfolgreich wie die Romane ist deren Verfilmung; bei uns als „Bones – die Knochenjägerin“ bekannt. Reichs schreibt in der Ich-Form – genau wie Patricia Cornwell am Anfang ihrer Romanreihe um die Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta.

Die 1956 geborene Cornwell arbeitete nach ihrem Studium als Mädchen für alles beim „Charlotte Observer“, danach als Polizeireporterin. Ihre Artikelserie über die Kriminalität in Charlotte wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Literarisch versuchte sich Cornwell erst einmal mit Biografien (meist religiöse), bis ihr 1990 mit „Post mortem“, dem ersten Roman über Kay Scarpetta, der Durchbruch gelang. Auch bei Cornwells Protagonistin sind einige Parallelen zum Leben der Autorin erkennbar; beide Autorinnen verbinden darüber hinaus das Privatleben ihrer Heldinnen mit dem romanhaften Geschehen. Leider muss ich als begeisterte Leserin von Patricia Cornwells Romanen feststellen, dass ihre neueren Werke mich nicht mehr so begeistern wie ihre früheren. Sie schreibt nicht mehr in der Ich-Form, wobei viel des humorvollen Charmes der Protagonistin verloren geht. Dadurch wirken die Erzählungen liebloser, banaler, oberflächlicher und längst nicht mehr so fesselnd wie früher. Oft wirken die Storys auf mich arg konstruiert…Schade. (Was mich allerdings nicht davon abhält, jede Neuerscheinung weiterhin zu kaufen…)

Was Fakt und was Fiktion ist, bleibt bei beiden Autorinnen offen – im Gegensatz zu den Romanen des englischen Autors Simon Becket, bei dem alle seine Werke ausschließlich seiner Fantasie entsprungen sind. Becket, Jahrgang 1968, war zunächst in diversen Jobs tätig, bis er als freiberuflicher Journalist seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. 2006 erschien sein erster Roman um den Forensiker David Hunter „Chemie des Todes“. Becket schreibt weniger emotional und – in meinen Augen auch weniger humorvoll – als seine beiden zuvor erwähnten weiblichen Kolleginnen; aber nicht weniger spannend. Dennoch finde ich persönlich Reichs und Cornwells Romane authentischer bzw. lebendiger (wenn man das bei einer solchen Thematik überhaupt sagen kann…).

Nichtsdestotrotz sind alle drei Autoren sehr erfolgreich und ich hoffe sehr, dass noch viele weitere Romane dieser Art folgen werden. Morbid? Nein. Der Tod gehört zum Leben…

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