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Die Geschichte des Frauenfußballs

In der Zeit vom 26.06.2011 – 17.07.2011 findet bei uns in Deutschland die sechste Frauenfußball-WM statt. 16 Mannschaften treten gegeneinander an, um am Ende den begehrten Pokal in den Händen zu halten – halb so viele wie letztes Jahr bei der WM der Herren in Südafrika.

Doch nicht nur die Anzahl der Mannschaften ist wesentlich geringer, auch die ausgewählten Stadien sind kleiner und bis zum heutigen Tage gerade mal zu ca. 75% ausverkauft. Die Journalisten Tatjana Riegler kommentierte dies am 21.06.2011 in der HAZ wie folgt: „…es treten nicht 32 Mannschaften in Großstädten auf, sondern 16 Mannschaften in der Provinz…“. Das Spielen vor eher spärlicher Kulisse dürfte für die Damen aber kein Novum ein: während in der vergangenen Bundesligasaison im Durchschnitt 43000 Zuschauer die Spiele der Herren live im Stadion verfolgten, waren es bei den Frauen gerade mal 800.

Aber wie kommt es, dass in einem so fußballinteressierten Land wie unserem der Frauenfußball längst nicht so viel Interesse findet wie der der Männer? Die Spielfelder sind gleich, es wird nach denselben Regeln gespielt und sowohl die männlichen als auch die weiblichen Sportler sind fit und durchtrainiert. Daran kann es also nicht liegen. Vielleicht hängt es mit der Tatsache zusammen, dass Frauenfußballerinnen in Deutschland jahrelang keine Chance hatten, ihr Können zu beweisen.

Nachdem Anfang 1920 erste Spiele von Damen ausgetragen wurden (damals überwiegend Studentinnen), gründeten sie 1930 den ersten Damenfußballclub, der aber mangels Konkurrenz ausschließlich gegen Herren antreten konnte. Dies führte zu so massiven Protesten, dass der Club nach nur einem Jahr wieder aufgelöst werden musste. Während des Dritten Reichs galt Frauenfußball als unschicklich und durfte deswegen nicht ausgeübt werden. Anfang der 50-er Jahre bildeten sich erneut Frauenmannschaften, die aber 1955 vom DFB verboten worden sind. Erst 15 Jahre später nahm der DFB in seine Satzung auf, dass der „Frauenfußball gefördert werden müsse“, nachdem ein Jahr zuvor die Gründung der „Confederation of Independent European Female Football“ für Furore sorgte. 1971 entschied die UEFA, den Frauenfußball wieder aufzunehmen, und noch im selben Jahr fand die erste inoffizielle WM der Damen statt. Trotz der jetzt amtlichen Förderung des DFB sollte es noch 13 Jahre bis zur ersten EM und 19 Jahre bis zur ersten offiziellen WM und der Gründung der Bundesliga dauern. Dementsprechend hat die Nationalmannschaft der Herren ihren weiblichen Kollegen einiges voraus, was die Popularität ihrer Sportart anbelangt. Beispielsweise nahmen sie 1908 das erste Mal an einer Olympiade teil, während der Frauenfußball erst 88 Jahre später als olympische Disziplin aufgenommen wurde.

Mal ehrlich: wer von uns kennt die Namen der Mitglieder der Frauennationalmannschaft? Während jeder Grundschüler problemlos Schweini, Poldi & Co aufzählen kann, fällt mir bei den Damen spontan nur ein einziger Name ein: Birgit Prinz. Die dreimalige Weltfußballerin ist mir auch nur deshalb ein Begriff, weil sie vor einigen Jahren das Angebot erhielt, in der italienischen  Männer(!)Liga zu spielen. Da laut FIFA aber „Männer und Frauen getrennt spielen müssen“, blieb ihr diese Chance dann verwehrt.

Um die Popularität der Damen ein wenig zu steigern, hat ein Sammelbildhersteller erstmals zur diesjährigen WM ein Album mit Bildern aller Teilnehmerinnen auf den Markt gebracht. Bleibt abzuwarten, ob es sich derselben Beliebtheit erfreuen wird wie vergleichbare Alben mit männlichen Spielern. Die Barbiepuppen mit Gesichtern der Spielerinnen waren jedenfalls kein Kassenschlager. Generell scheint es, als sei mit der Kommerzialisierung des Frauenfußballs kein Geld zu machen. Selbst in den Geschäften, die bei internationalen Turnieren der Herren vor Fanartikeln fast überquellen, sind jetzt – vier Tage vor Beginn der WM – kaum Fähnchen, Girlanden und ähnliches zu finden. Wenn man davon ausgeht, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt, ist dies meiner Meinung nach ein Indiz für das ziemliche Desinteresse an Frauenfußball. Ich persönlich bilde da keine Ausnahme. Während ich jeden internationalen Auftritt der Herrennationalmannschaft durchaus im Trikot, mit Fanschminke im Gesicht und einem Deutschlandfähnchen bewaffnet im Fernsehen verfolge, habe ich in meinem Leben noch kein einziges Spiel der Fußballerinnen gesehen. Laut Umfragewerten liege ich damit voll im Trend: ca. 50% der Deutschen geht es genauso.

Jetzt hoffen die Damen natürlich, dass sich das Sommermärchen von 2006 wiederholt. Auch, wenn ich persönlich kein Interesse daran habe: ich wünsche ihnen viel Erfolg!

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