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Frühjahrsputz – wer beteiligt sich nicht???

Nun ist es unübersehbar, dass der Frühling endlich da ist. Aber anstatt die wärmeren Tage einfach zu genießen und sich des Lebens zu freuen, scheint sich alles um mich herum fast ausschließlich um ein und dasselbe Thema zu drehen: Frühjahrsputz.

Zuerst war ich mir über die Bedeutsamkeit dieser Aktion für die Menschheit gar nicht so bewusst. Doch dann häuften sich die Werbespots für Putzmittel sowie diesbezügliche Angebote in Prospekten und Wochenzeitungen. Von Wischmopps über Putzlappen bis hin zu Schwämmen; von Scheuermilch über Glasreiniger bis hin zum Bodenglanzmittel – Drogerien, Supermärkte und Discounter überschlugen sich quasi damit. Kaum war noch Platz für andere Angebote…

Da hätte ich eigentlich schon sehr misstrauisch werden müssen, doch ich ignorierte diese ersten Anzeichen an globalem Reinigungswahn. Die nächste Stufe war erreicht, als überall in meinem Bekanntenkreis plötzlich die Menschen von Frühjahrsputz sprachen und über diesbezügliche Aktionen. Und nicht nur das: sie gaben sich gegenseitig Tipps, wie man am schnellsten und effektivsten putzen könnte, wie man bestimmte Flecken am einfachsten entfernt, wie man den Frühjahrsputz gleich zu einer kleinen Renovierung ausdehnen könnte, oder sie verglichen Checklisten, die sie sich aus dem Internet besorgt hatten. Ich fühlte mich ein wenig als Außenseiter, da ich a) von solchen Dingen überhaupt keine Ahnung habe und b) auch ganz und gar kein Interesse daran. So blieb mir nur die Hoffnung, dass auch die Menschen in meiner Umgebung sich bald wieder normal verhalten würden und nicht mehr wir meister Proper oder Klementine. Doch nichts dergleichen geschah und ich wurde immer isolierter.

Der Tiefpunkt war jedoch erreicht, als mir eine Bekannte erzählte, sie hätte – wie übrigens jedes Jahr – zwei Wochen Urlaub genommen, um in aller Ruhe ihre Wohnung vom „Schmutz des Winters“ zu befreien. Ich war sprachlos. Vierzehn Tage zu Putzen??? Spontan stellte ich ihr die Frage, wie abgrundtief schmutzig es denn bei ihr sei, wenn sie derart viel Zeit für die Reinigung einer Zweizimmerwohnung einkalkuliert hatte. Eine Antwort bekam ich darauf nicht – meine Bekannte war zutiefst beleidigt, was mir wiederum völlig unverständlich ist. Mir erschien meine Frage durchaus berechtigt… Mal ehrlich: ich bin – wie gesagt – eine absolute Minimalistin, was Hausarbeit jeglicher Art angeht, und bei mir ist es weder ordentlich noch besenrein, geschweige dann steril sauber. Trotzdem würde ich, wenn ich mich an einen Hausputz machen würde, vielleicht zwei Tage brauchen, bis alles picobello wäre (inklusive Fenster). Also wiederhole ich meine Frage: wie schmutzig muss es dort sein?!?

Leider hat besagte Bekannte damit begonnen, mich überall als frechen Schmutzfinken hinzustellen. Normalerweise könnte ich problemlos damit leben, aber in Zeiten, in denen fast jeder selbst nur am Putzen und somit noch reiner als rein ist, bin ich zum Lonely Rider geworden… Da frage ich mich doch, wo die 50 % der Deutschen sind, die sich laut Umfragen – wie ich – nicht dem Großputz hingeben. In Internetforen sind sie jedenfalls nicht; dort gibt es zwar viele Gemeinschaften, die sich Tipps bezüglich der Putzerei geben, aber noch keine Anti-Frühjahrsputz-Foren für Menschen, die sich ihre Zeit lieber mit lustigen Sachen vertreiben, während die anderen sauber machen. Mal sehen, vielleicht gründe ich so eines…

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