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Ganzjahresfütterung von Wildvögeln – ein kontroverses Thema

Tierschutz steht in Deutschland glücklicherweise hoch im Kurs, so dass für viele Menschen auch die Winterfütterung freilebender Vögel eine Selbstverständlichkeit ist. Die Tatsache, dass Millionen Euro jährlich für Sonnenblumenkerne, Fett- und Streufutter, Nüsse und ähnliches ausgegeben werden, sprechen für sich. Dazu kommen noch die unzähligen selbsthergestellten Futterarten, die den Wildvögeln durch die kalte Jahreszeit helfen sollen. Rezepte hierfür erhaltet Ihr hier und hier, wobei ich diese selbst ausprobiert habe und Euch den Tipp geben möchte, Rindertalg zu verwenden (Hammeltalg stinkt beim Aufwärmen extrem.

Sobald das Frühjahr kommt, werden diese Futterplätze liquidiert und die Futterhäuschen für die nächsten Monate eingemottet. Die wenigsten Tierliebhaber bieten ihren gefiederten Gästen eine Ganzjahresfütterung, was eigentlich schade ist, da auch an wärmeren Tagen oft nicht genug Nahrung zu finden ist. Dies liegt zum einen an klimatischen Bedingungen, zum anderen an der Tatsache, dass durch zunehmende Bebauung des Lebensraums natürliche Nahrung (beispielsweise Beeren, Würmer, Insekten) immer weniger wird.

Die Meinungen der Tierschützer bezüglich der Ganzjahresfütterung gehen weit auseinander. Deren Gegner behaupten, die Vögel würden zu faul werden, sich selbst zu versorgen, wenn ihnen immer alles vorgesetzt wird. Befürworter hingegen meinen, dass nur dann das servierte Futter gefressen wird, wenn sich der Tagesbedarf nicht durch Selbstversorgung decken lässt. „Wenn Vögel vor Hunger sterben, so ist dies die natürliche Auslese“, kontern die Gegner.

Diese fortlaufende Diskussion gab mir zu denken. Plausibel klingen beiderseitige Argumente, also half nur eines: ein Selbstversuch. Seit letztem Herbst also wird bei meinen Eltern im Garten und auf der Terrasse täglich Futter für die freilebenden Vögel bereitgestellt und aufgehängt; im Sommer allerdings weniger Fettfutter (nur einige Meisenknödel) als vielmehr Sonnenblumenkerne (geschält!) und Rosinen. Das Ergebnis war interessant: während im Winter überwiegend Amen und Meisen an den Futterstellen zu beobachten waren, kamen ab dem späten Frühjahr auch Rotkehlchen, Finken, Spatzen und Braunellen. Sogar ein Buchfink kam regelmäßig zu Besuch und pickte an den Meisenknödeln. Als „faul“ kann man diese Vögel aber absolut nicht bezeichnen. Trotz der perfekt servierten Speisen pickten sie im Gras, in der Erde und an Ästen nach Käfern und Würmern; Amseln sprangen umher und schnappten in der Luft nach fliegenden Insekten. Dies zeigt, dass sie ihren natürlichen Instinkt der Selbstversorgung verlieren und sich ausschließlich auf bereitgestellte Nahrung verlasen. Meiner Meinung nach spricht ganz und gar nichts gegen eine Ganzjahresfütterung. Hierbei bitte beachten:

  • Die Ganzjahresfütterung im Herbst beginnen.
  • Regelmäßig füttern.
  • Wenn möglich, täglich kaltes Frischwasser bereitstellen.

Aber nicht nur aus Tierschutz-, sondern auch aus egoistischen Gründen ist eine Ganzjahresfütterung sehr angenehm: ständig hat man die Gelegenheit, freilebende Vögel zu beobachten oder sich an ihrem Gesang beziehungsweise Gezwitscher erfreuen. Das schönste Erlebnis bot uns im Juni eine Blaumeisenmutter, die mehrmals täglich mit ihren beiden Jungen an die Futterstelle kam und uns somit Gelegenheit gab, diese beim Heranwachsen zu beobachten… Oder circa 15 Braunellen, die fast immer gleichzeitig an die Meisenknödel wollten…

Probiert es aus; ich bin mir sicher, Ihr werdet es nicht bereuen. 🙂

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