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Gedanken zum Unwort des Jahres

In den vergangenen Tagen wurde in den Medien viel das „Unwort des Jahres“ erwähnt. Ich persönlich hätte da auch einen Kandidaten, dem ich sehr gerne diesen Titel verleihen würde: dem Wort „Unwort“ an sich.
Ganz ehrlich: mir stellen sich die Nackenhaare hoch, wenn dieses Wort auch nur erwähnt wird. Im Duden wird es als „unschönes, unerwünschtes Wort“ bezeichnet (allerdings erst in neueren Ausgaben; in einem von 1968 gibt es diese Bezeichnung noch gar nicht). Ich finde allerdings nicht, dass dieses „Un-„ vorangestellt vor „Wort“ irgendeinen großartigen Sinn ergibt. In der Regel sollte es ja das Gegenteil von irgendetwas darstellen: Glück – Unglück; wichtig – unwichtig; Wille – Unwille; usw. Was aber soll das Gegenteil von „Wort“ sein?
Nun muss man aber fairerweise sagen, dass dies berühmte „Unwort des Jahres“  erst eine Erscheinung der Neuzeit ist; genauer gesagt gibt es das seit 20 Jahren. Die Gesellschaft für deutsche Sprache kürte von 1991 – 1994 besagtes Unwort, welches sie wie folgt definierte: „Wörter und Formulierungen aus der öffentlichen Sprache, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen.“ Diese Definition untermauert meinen Vorschlag, „Unwort“ zum „Unwort des Jahres“ zu küren: „sachlich unangemessen“ trifft es meiner Meinung nach auf den Punkt! Mal sehen, was die sechsköpfige Jury der „sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres“ der Universität Frankfurt am Main wohl zu meinem Vorschlag zu sagen hätte… Seit 1994 nämlich beschäftigen die sich mit der Wahl des Unworts und nehmen – wie man hört – gerne diesbezüglich Vorschläge entgegen. Leider ist und bleibt mir der Sinn dieser Wahl ein Rätsel. Was geschieht  mit den Wörtern, die fortan diesen nicht gerade schmeichelhaften Titel tragen müssen? Aus dem Sprachgebrauch verschwinden tun sie nicht. Bestraft wird man auch nicht, wenn man sie benutzt. Weswegen muss eine eigens dafür ins Leben gerufene Jury also einem Wort einen derartigen Makel aufdrücken? Vermutlich gibt es keinen relevanten Grund dafür… Wie dem auch sei: für mich persönlich ist „Unwort“ das „Unwort des Jahres“… (…wenn nicht sogar des Jahrhunderts…).

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