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Homosexuelle werden auch heutzutage noch diskriminiert

Vor einigen Tagen habe ich zufällig eine ehemalige Schulkameradin von mir getroffen. Wir unterhielten uns eine Weile, dann erzählte sie mir, dass sie große Probleme auf ihrer Arbeitsstelle hätte, weil sie lesbisch sei. Ihre sexuellen Neigungen seien wohl „irgendwie durchgesickert“.
Ich war in zweierlei Hinsicht sehr überrascht. Zum einen über die Formulierung „durchgesickert“; ich selbst habe schon einige Arbeitsstellen gehabt, und noch nie bin ich in irgendeiner Art und Weise über meine sexuellen Vorlieben befragt worden. „Durchsickern“ lässt meiner Meinung nach darauf schließen, dass kein direktes Gespräch stattgefunden hat, sondern vage Vermutungen, aufgeschnappte Bemerkungen bzw. Aussagen oder bestimmte Verhaltensweisen Rückschlüsse auf die Homosexualität meiner Klassenkameradin zulassen.
Viel mehr erschüttert mich aber die Tatsache, dass jemand in der heutigen Zeit Repressalien aufgrund seiner sexuellen Neigung ausgesetzt ist. Was soll denn das? Wir leben im 21. Jahrhundert in Deutschland, da wäre ja wohl ein wenig Toleranz angebracht… Zum einen geht es niemanden etwas an, ob sein Nachbar, Kumpel, Kollege homo- oder heterosexuell ist – dies ist genauso persönlich wie die religiöse bzw. politische Einstellung. Zum anderen ist es meiner Meinung nach vollkommen egal, ob jemand Männer oder Frauen liebt – ich beurteile meine Mitmenschen ja schließlich auch nicht danach, ob sie gerne Eis essen, schwimmen gehen oder für Brad Pitt schwärmen. Jeder sollte so leben und Vorlieben jeglicher Art haben können, wie er es möchte; niemand hat das Recht, einen anderen deswegen zu verurteilen.
Im Falle meiner Mitschülerin kann man definitiv schon von Mobbing sprechen, und das nicht etwa in einem kleinen Familienbetrieb in einem erzkatholischen Bergdorf (wo aus religiösen Gründen Homosexualität als Sünde betrachtet wird), sondern bei einer großen Versicherung in Niedersachsen. Bei ihrer vorherigen Arbeitsstelle war es übrigens noch schlimmer: man legte ihr nahe, zu einer Betriebsfeier „aus Rücksicht auf die Ehepartner ihrer Kollegen“ ohne ihre langjährige Lebenspartnerin zu erscheinen – in meinen Augen ein Skandal. Da sie aber zu diesem Zeitpunkt bereits den Wechsel zu ihrem jetzigen Arbeitgeber geplant hatte, nahm sie diese Diskriminierung hin, ohne sich zu wehren. Schade eigentlich. Denn offenbar kam sie vom regen in die Traufe…
Leider weiß ich natürlich nicht, inwieweit die Angaben meiner ehemaligen Schulkameradin stimmen oder ein wenig übertrieben dargestellt werden; dafür kenne ich sie zu wenig. Aber sollte es auch nur ansatzweise stimmen, dass sie aufgrund ihrer Homosexualität ausgegrenzt bzw. gemobbt wird, fände ich das ganz einfach indiskutabel und jeder Mensch, der so denkt und handelt wie ihre Kollegen, sollte sich zutiefst schämen. Für solch ein menschenverachtendes Verhalten gibt es keine Entschuldigung.

1 Kommentar

  1. Thommen_61 sagt:

    Toleranz ist niemals ein Produkt einer „neuen Zeit“, wie viele vermuten. Sie muss hart erarbeitet (Schwulenbewegung, Lesbenbewegung), und dann auch systematisch erhalten werden. Toleranz vererbt sich eben NICHT, wie viele Homosexuellen glauben möchten…

    Die Junghomos von heute sind leider daran, das Erkämpfte wieder zu verlieren, weil sie sich nicht mehr um Gesellschaftspolitik kümmern – dafür um Konsum und Lifestyle… Und irgendwann sind Westerwelle und andere weg vom Fenster – und was dann???

    Allein der Blick auf die Situation der jüdischen BürgerInnen sollte uns aufhorchen lassen. Bigotterie und Intoleranz sind das Produkt aus heterosexuellen Familien (Blut-Boden-Sprache) – inkl. und besonders Migranten (sh. a. Nachfahren der US-Kolonisten!), da können noch so viele Regenbogenfamilien gegründet werden, das nützt nix!

    Nur die ständige „gesellschaftliche“ Unruhe und Diskussion kann Toleranz giessen und düngen!

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