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Kryonik – eingefroren für ein späteres Leben

Was wäre, wenn man sich nach seinem Tod einfrieren lassen könnte, Jahrzehnte oder länger in diesem Zustand bleiben würde und sich irgendwann, wenn die Wissenschaft so weit ist, wieder auftauen lässt und weiterlebt? Mit dieser Möglichkeit beschäftigen sich Menschen wahrscheinlich schon ewig; intensiv jedenfalls seit mehr als 50 Jahren: die sogenannten Kryoisten. Abgeleitet von dem Wort „Kryonik“; einer Wissenschaft, die versucht, Menschen für die Zukunft zu erhalten.
Einzelne Organe oder komplette Organismen werden konserviert, um sie irgendwann in der Zukunft wiederzubeleben. Klingt zwar etwas utopisch, ist aber prinzipiell möglich, denn Leben kann Temperaturen bis zu -196 ° C überdauern. Schon vor Jahren hat man deshalb versucht, Organismen zu gefrieren. Das Problem dabei war, dass durch die Ausdehnung des Wassers beim gefrieren die Zellen irreparabel zerstört worden sind, so dass nichts mehr zum Wiederbeleben übrig geblieben ist… Mit dem 2001 entwickelten Verfahren „Vitrifikation“ (eisfreies Gefrieren) soll dieses Problem behoben werden. Ein großer Teil des körpereigenen Wassers wird durch die Lösung „Supercool“ ersetzt.
Interessierte Kryonisten wird es wohl immer geben, und für all diejenigen plant der US-amerikanische Architekt Stephen Valentine eine Kryonik-Center. In diesem sollen circa 50.000 tiefgefrorene Körper von Verstorbenen (auch von haustieren) in einer Art Wabe ruhen dürfen und Jahrzehnte oder Jahrhunderte auf den Fortschritt in der Forschung warten, um dann reanimiert zu werden. Bislang mussten sie dies in Lagerhallen in Autobahnnähe tun, was aber nicht nur recht menschenunwürdig ist, sondern auch nicht besonders sicher. In der Sicherheit liegt auch die Schwierigkeit für Herrn Valentine, einen geeigneten Ort für sein Projekt zu finden. Dieser muss nicht nur sicher vor Witterungseinflüssen, Klima und Jahreszeiten sein, sondern auch vor möglichen Kriegen, Feuer, Angriffen (UFOs?) – schließlich zahlen die „Mieter“ dieses „Wohnhauses“, wie er es nennt, 140.000 $ für eine Einlagerung (ein Kopf kostet übrigens nur 60.000 $). Dafür kann man schon Ruhe bis in alle Ewigkeit erwarten…
Ich persönlich finde diese ganze Kryonik absolut überflüssig. Zwar kann ich verstehen, dass die Menschen gerne länger (oder nochmal) leben möchten, aber wenn es vorbei ist, ist es nun einmal vorbei. Vor allem: wenn man verstorben ist, gab es ja irgendeinen Grund dafür (Krankheit, Unfall, Altersschwäche). Jetzt liegt man – sagen wir 50 Jahre – tiefgefroren irgendwo herum, wird reanimiert, und das für den Tod verantwortliche Leiden ist weg? Oder man lässt sich nur seinen Kopf einfreiren, um Ideen für die Nachwelt zu hinterlassen. Abgesehen davon, dass man um 60.000 $ ärmer ist (die man natürlich bereits zu Lebzeiten bezahlen muss), glaube ich kaum, dass es irgendeinen weiteren Effekt geben wird. Ein toter Kopf wird niemals wieder denken können, auch in 100 Jahren nicht. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass hierbei wieder einmal Geschäfte mit dem Wunsch nach dem ewigem Leben gemacht werden – und das geht gar nicht!!!

1 Kommentar

  1. Marcus sagt:

    Einige Anmerkungen;
    – Kryonik will leblose Körper konservieren, bis es für die Medizin ein Leichtes ist, die jeweilige Todesursache zu beheben.
    – Die beiden großen Kryonik-Anbieter (Alcor und Cryonics Institute) dürfen aufgrund ihrer Gesellschaftsform überhaupt keinen Profit erwirtschaften.
    – Die korrekte Übersetzung von „cryonicist“ lautet Kryoniker, vgl. http://www.dict.cc/englisch-deutsch/cryonicist.html

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