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Michael Ballack – der Kapitän geht von Bord

Jetzt ist es also amtlich: Joachim Löw, der Trainer der Deutschen Fußballnationalmannschaft, erklärte am Donnerstag, dass er zukünftig nicht mehr mit Michael Ballack planen werde. Dies bedeutet das Ende einer erfolgreichen internationalen Karriere, die 1996 bei der U21 begann.
Löw sprach aus, was Millionen Fußballinteressierte längst vermutet haben: der Capitano, wie Ballack liebevoll genannt wird, ist ausgemustert. Insgesamt 98 Länderspiele durfte der gebürtige Görlitzer für das DFB-Team bestreiten; seit 2004 hatte er das Amt des Kapitäns inne. Der zentrale Mittelfeldspieler konnte in seiner 12-jährigen Zugehörigkeit zur A-Nationalmannschaft keinen Titel gewinnen; 2002 wurde er mit seinem Team Vizeweltmeister, vier Jahre später bei der WM im eigenen Land Dritter sowie 2008 Vizeeuropameister. 

Aufgrund einer schweren Verletzung (Innenbandriss sowie Teilabriss im Sprunggelenk), die Ballack nach einem Foulspiel von Kevin-Prince Boateng erlitten hatte, konnte er 2010 nicht an der WM in Südafrika teilnehmen. Schon damals deutete es sich an, dass er innerhalb seines Teams durchaus ersetzbar ist. Der Interimskapitän Lahm erfüllte seine Aufgabe perfekt, dazu trat die komplette Mannschaft im wahrsten Sinne des Wortes als Team auf und überzeugte durch eine sehr ansprechende Leistung. Zwar besuchte Ballack seine Elf in Südafrika, reiste aber kurz vor dem Viertelfinale nach einigen internen Querelen wieder ab. Offiziell hieß es, er müsse seine Reha weitermachen, aber schon damals wurden Gerüchte über Differenzen zwischen dem Kapitän und seinem Team laut. Bestätigung fanden diese Gerüchte im Laufe des vergangenen Jahres unter anderem dadurch, dass Michael Ballack keine Spiele der Nationalmannschaft als Zuschauer besuchte. Dieses offensichtliche Desinteresse an seinem Team stand in völligem Gegensatz zu seiner permanenten öffentlichen Aussage, er „sei und bliebe Kapitän der Deutschen Fußballnationalmannschaft“. Jogi Löw, der dieser endlosen Diskussion über Ballacks Zukunft hätte ein Ende bereiten können, hüllte sich ins Schweigen.
Nachdem Michael Ballack von seiner Absetzung als Kapitän erfahren hatte, erhob er schwere Vorwürfe gegen den DFB. Unter anderem warf er Löw Scheinheiligkeit vor und lehnte das ihm angebotene Abschiedsspiel im August gegen Brasilien ab. Schnell wird er in der Öffentlichkeit als „beleidigte Leberwurst“ tituliert; umso mehr, als der DFB bekannt gab, dass Ballack bereits die Teilnahme am Freundschaftsspiel gegen Uruguay im Mai abgelehnt hatte. Durch diese beiden Begegnungen hätte er 100 Länderspiele für sich verbuchen können, tat diese Offerten aber als „Farce“ ab.
Laut Löws Aussage habe er Ballack bereits im März mitgeteilt, dass er keine Zukunft mehr in der Nationalmannschaft habe. Die ganze Zeit habe er gewartet, mit seiner Entscheidung an die Öffentlichkeit zu gehen, um Ballack die Möglichkeit eines „würdevollen Rücktritts“ zu geben. Diese Chance nutzte der ehemalige Kapitän aber nicht.
Ob sich die Angelegenheit nun wirklich so abgespielt hat, wie der DFB verlauten lässt, bleibt offen. Tatsache ist, dass es bei dem ganzen Hin und Her einen alleinigen Verlierer gibt: Michael Ballack. Ein Weltklassespieler wie er hätte einen ehrenvolleren Abgang verdient gehabt als solch eine Schlammschlacht. Lediglich sein Leverkusener Trainer Robin Dutt kann der ganzen Geschichte etwas Positives abgewinnen: für ihn ist es erfreulich, dass sich Ballack jetzt „voll und ganz auf unsere Aufgabe im Verein konzentrieren kann“. Bleibt abzuwarten, ob er wenigstens dabei erfolgreich sein wird.

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