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„My name is“ – eine neue Castingshow

Neulich bin ich versehentlich bei einer Fernsehsendung gelandet, die sich „My name is“ nennt. Als Zuschauer ist man ja schon so einiges gewöhnt, aber was da geboten wurde, toppt alle schlechten Shows, die ich jemals gesehen habe.

Das Prinzip von „My name is“ ist anscheinend, dass sich die Kandidaten als Doubles irgendwelcher Sänger präsentieren und diese gesanglich – und möglichst auch optisch – imitieren. Im ersten Moment dachte ich, ich wäre in der Mini-Playback-Show gelandet. War ich aber nicht so; es gab auch Erwachsene, die es sich offenbar als Ziel gesetzt haben, sich in aller Öffentlichkeit zu blamieren. Ich muss sagen, dies ist ihnen auch sehr gut gelungen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Frau, die Katy Perry imitieren wollte. Vom Aussehen her gelang ihr das in keiner Weise (sie war blond und erklärte auf Nachfrage, braune Haare würden ihr nicht stehen); blieb also noch die Hoffnung auf ihr verstecktes Gesangstalent. Falls dieses vorhanden gewesen sein sollte, hat sie es sehr gut geheim halten können, denn nach einer oder zwei Zeilen hatte sie ihren Text vergessen – sofort setzte wieder das Fremdschämen bei mir ein. Die Jury war auch empört, wobei ich das Wort „Jury“ im Zusammenhang mit diesen drei Personen als  Farce bezeichnen würde:

Zum einen wäre da Alessandra Pocher, besser bekannt als „Sandy Meyer-Wölden“. Überraschenderweise wurde ihre Berufsbezeichnung mit „Model und Designerin“ angegeben. Ich persönlich hätte sie ja eher als „Tochter von…“ oder „Ehefrau von…“, meinetwegen auch als „Exverlobte von…“ tituliert, aber ich wurde ja leider nicht gefragt. Jedenfalls denke ich, dass meine Katze Maunzi geeigneter wäre, jemanden zu beurteilen, als Frau Pocher. Abgesehen von einem wohlwollenden Lächeln (bei Gefallen der Kandidaten) oder einem entrüsteten Blick (bei Missfallen) kam leider nicht wirklich eine produktive Beurteilung von ihr.

Da war das zweite Jurymitglied, die Sängerin Michelle, schon ein wenig effektiver. Die ehemalige Hundesalonbesitzerin beherrscht ihre Gesichtsmuskulatur perfekt und kann 17 verschiedene Grimassen schneiden. Schade nur, dass bei einigen das Makeup am Kinn ab bröselte, so dass sie im Laufe der Sendung ihre Mimik immer mehr einschränken musste und nur noch brav auswendig gelernte Kommentare flüsterte. Ich habe nur auf den Moment gewartet, dass ihre Tochter auf der Bühne erscheint und ein Liedchen trällert. Irgendwie muss es doch zu schaffen sein, das Mädchen berühmt zu machen, nachdem Dieter Bohlen es letztes Jahr als „Supertalent“ abgelehnt hat. Dieses „Highlight“ blieb mir aber erspart.

Die Jury wurde komplettiert durch Maarten Steinkamp, einem – dem Akzent nach holländischen – Musikmanager. Ich kann nicht beurteilen, ob er Ahnung von seinem Business hat; das wäre vermessen von mir. Was mir auffiel, war seine einschüchternde Art. Wirklich wahr, dieser Mann machte mir Angst, und ich bin sonst wahrlich keine Memme. Was er sagte, konnte ich leider eher erraten als verstehen, aber seine bösen Blicke sprachen Bände – ich war froh, nicht auf dieser Bühne stehen zu müssen. Alles in allem war es richtig peinlich, ansehen zu müssen, wie die Jury krampfhaft versuchte, ihren Aussagen wenigstens einen Hauch von Kompetenz zu verleihen.

In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, ob eine weitere Show dieses Formats wirklich notwendig ist. „Deutschland sucht den Superstar“ beispielsweise ist Kult – nicht zuletzt durch Dieter Bohlen, der sowohl durch seine Kompetenz als auch durch seine Sprüche meinen absoluten Respekt und große Sympathie genießt. Ebenso ist es mit Detlef D! Soost bei „Popstars“, dessen „Stars“ zwar meistens nicht erfolgreich sind, der aber durch seine gesamte Art überzeugt. Sämtliche anderen Shows dieser Art wirken auf mich jedenfalls wie ein müder Abklatsch bereits existierender Sendungen und sind in meinen Augen total überflüssig.

Mein Tipp als genervter Zuschauer:

Frau Pocher, bitte gehen Sie nach Hause und kümmern sich um Ihre Familie.

Michelle, machen Sie lieber wieder einen Hundesalon auf, dort sind Sie besser aufgehoben.

Herr Steinkamp, bitte lächeln Sie mal gelegentlich.

Die nächsten Wochen muss ich sehr gut aufpassen, dass ich nicht wieder versehentlich bei „My name is“ lande – es wäre reine Zeitverschwendung.

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