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Sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten für Rentner müssen gegeben sein

Für viele Menschen ist der Eintritt ins Rentnerdasein nicht leicht. Jahrzehntelang lebten sie nach einem geregelten Tagesablauf, hatten eine Pflicht zu erfüllen und eine sinnvolle Beschäftigung. Nach Ende des Berufslebens, wenn der Tag plötzlich aus 24 Stunden Freizeit besteht, wissen Rentner häufig nichts mit sich anzufangen – sie fühlen sich überflüssig, nutzlos und langweilen sich. Deswegen engagieren sich circa 30 % der über 65-Jährigen ehrenamtlich oder bürgerschaftlich in verschiedenen Bereichen; laut Umfragen würden weitere 11% gerne tätig werden.

Ob in Altenheimen, Kindergärten, Krankenhäusern, in der Behindertenbetreuung oder in Kirchen und verbänden: in allen sozialen Einrichtungen gibt es genügend Einsatzmöglichkeiten für ältere Menschen, bei denen sie beweisen können, was eigentlich jedem klar sein müsste: Senioren gehören nicht zum alten Eisen. Wie denn auch? Wenn jemand beispielsweise bis zum 31.03. noch auf der Arbeit seinen Mann steht und ab 01.04. Rentner ist, kann er ja wohl kaum binnen weniger Minuten derart hinfällig geworden sein, dass er kein nützliches Mitglied der Gesellschaft mehr sein kann, oder? Diesbezüglich habe ich eine sehr interessante These des Bestsellerautors und Philosophen Richard David Precht gelesen, die er in einem Spiegelinterview preisgab: „Fitte Rentner können junge Menschen coachen“; am liebsten wären ihm hierfür Senioren aus der Mittelklasse, da dort seiner Meinung nach die Moral am besten sei. Deswegen wünscht er sich ein soziales Pflichtjahr für fitte Rentner, damit diese noch einen nützlichen Beitrag für die Gesellschaft leisten können. Heutige Rentner bezeichnet der heute 47-jährige als die „goldene Generation“, die vom Krieg verschont geblieben ist. Leider kann ich ihm in diesem Punkt nicht zustimmen. Vielleicht waren die Senioren vom direkten Kriegsgeschehen weitestgehend verschont – aber was ist mit den harten Nachkriegsjahren? Dem Wiederaufbau des Landes? Familien, die ohne Ehemänner und Väter auskommen mussten, da diese gefallen oder in Gefangenschaft waren? „Golden“ war das Leben der heutigen Rentner in meinen Augen jedenfalls nicht. Schade, dass Precht so etwas gesagt hat, denn ansonsten sind die Gedanken des charismatischen Philosophen zum Thema „Ältere coachen Jüngere“ ziemlich genial und haben nicht viel mit dem Gemeinsam, was eine große deutsche Zeitung vergangene Woche zu ihrem Headliner gemacht hat…

Ein soziales Pflichtjahr würde ich persönlich allerdings Rentnern nicht aufoktuarieren wollen. Soziales Engagement auf freiwilliger Basis gerne, zumal beide Seiten davon profitieren würden. Eher würde ich mich der Forderung des Verbandschefs der Seniorenunion Otto Wulff aus dem November 2010 nach einem freiwilligen sozialen Jahr für Senioren anschließen. Er wünschte sich, dass „Träger sozialer Einrichtungen Angebote für ältere Menschen entwickeln sollten“. Eine Perspektive nach dem Berufsleben, die man wahrnehmen kann, nicht muss – das klingt für mich persönlich optimal…

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