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Über die Schwierigkeiten, ein Auto zu waschen

Im Fernsehen oder in Werbespots scheinen Leute immer sehr viel Spaß beim Autowaschen zu haben. Fast ein wenig neidisch sehe ich ihnen zu, wie sie voller Freude, singend und lachend ihre Wagen waschen.

Ich persönlich bekomme in den Waschanlagen nicht einmal ein schwaches Lächeln hin. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Früher gab es bei mir in der Gegend mehrere Hochdruckwaschanlagen, die aber im Laufe des letzten Jahres fast alle geschlossen wurden. Nun ist es so, dass mein japanischer Flitzer und ich zwar gerne einen sauberen Eindruck vermitteln, aber auf gar keinen Fall in eine Waschstraße fahren möchten. Mein Auto hat Angst im Dunkeln, und ich habe Angst vor Kratzern im Lack, von denen man immer wieder hört. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als zu der letzten verbliebenen Hochdruckwaschanlage zu fahren. Gesagt, getan. Bei der Ankunft dort der erste Schock: zwei der fünf Waschboxen waren außer Betrieb, so dass sich eine kleine Autokolonne vor den drei anderen angesammelt hatte. Bescheiden stellten wir uns in eine der Reihen und warteten. Und warteten. Und warteten. In meinem Wagen wird selbst in Situationen wie dieser nicht geraucht, und so sank parallel zu meinem Nikotinpegel auch meine Laune.

Doch bereits nach zweieinhalb Stunden war ein Hoffnungsschimmer in Sicht: der vor uns wartende Wagen  fuhr in die Waschbox, so dass mein Flitzer und ich nunmehr an erster Stelle standen. Die Freude darüber währte nicht lange, denn die Frau, die sich aus ihrem Auto quälte, wirkte völlig planlos. Zuerst fand sie den Automaten für den Münzeinwurf zum Programmstart nicht. Kann ja mal passieren; er ist ja gerade mal einen Meter mal zwei Meter groß. Nach mehreren Minuten hatte sie ihn auch schon gefunden und musste feststellen, dass sie für dessen Benutzung Kleingeld benötigte. Also machte sie sich auf den Weg, um welches zu besorgen. Ich vermute allerdings, da sie sich ihre Münzen erst einmal prägen ließ, denn sie war mehr als 30 Minuten nicht mehr zu sehen. Ihr Wagen allerdings schon – er stand freudestrahlend in der Box.

Neidisch blickte ich auf die benachbarten Waschboxen, in denen die Autofahrer zügig ihr Werk verrichteten und blitzschnell Platz für den Nachfolger machten. Während ich noch überlegte, ob sich ein Wechsel in eine der anderen Kolonnen lohnen würde, kam die Frau wieder. In aller Seelenruhe klappte sie die Scheibenwischer ihres Autos hoch, begutachtete konzentriert die Geldstücke in ihrer Hand und warf schließlich eines von ihnen in den Münzschlitz. Im Schneckentempo begann sie mit der Vorwäsche. Vorsorglich wiederholte sie diese noch zwei weitere Male, unterbrochen von Münzeinwürfen, bevor sie schließlich die Schaumbürste in die Hand nahm. Noch niemals in meinem Leben habe ich einen Menschen gesehen, der zum Einschäumen eines Kleinstwagens eine Dreiviertelstunde gebraucht hat – jetzt war die Premiere.  In Erwartung einer sehr, sehr langen Wartezeit stellte ich meinen Handywecker auf eine Stunde und nutzte die Gelegenheit für ein kleines Nickerchen. Dies erwies sich im Nachhinein als eine sehr gute Idee, denn als ich erfrischt wieder aufwachte, war die Frau tatsächlich schon beim letzten Programmpunkt: Toppflege. „Kann ja nicht mehr lange dauern“, dachte ich – aber weit gefehlt: man kann sehr wohl eine geschlagene Stunde damit verbringen, Toppflege zu betreiben.

Inzwischen war es dunkel geworden. Doch das Wunder geschah: die Frau war fertig. Doch was sie nun vorhatte, verschlug mir schlichtweg die Sprache. Ohne mit der Wimper zu zucken, öffnete sie ihren Kofferraum und holte mehrere Fensterleder hervor. Gemütlich begann sie, damit ihren Wagen abzutrocknen. Mit meiner Selbstbeherrschung war es nun leider vorbei. Hungrig, durstig und ohne einen Hauch von Nikotin im Blut brachen sämtliche angesammelten Aggressionen aus mir hervor. Wütend sprang ich aus meinem Wagen und schrie die Frau an, sie solle sich endlich vom Acker machen. Obwohl ich das Recht auf meiner Seite hatte (in der Box hängen überlebensgroße Schilder, die darauf hinweisen, in der Box ausschließlich zu waschen), war sie beleidigt. Verwünschungen vor sich hinmurmelnd stieg sie langsam in ihr Auto und – legte den Rückwärtsgang ein. 10 cm vor meiner Stoßstange bemerkte sie ihren Irrtum und fuhr wieder nach vorne. Ich bemerkte zwischenzeitlich etwas anderes: es hatte zu regnen begonnen, so dass es keinen großen Sinn machte, an diesem Tag eine Autowäsche zu starten.

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