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Wie viel Bescheidenheit ist angemessen?

Wilhelm Busch sagte mal: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser fährt man ohne ihr“. Diesbezüglich frage ich mich, wie viel Bescheidenheit angemessen ist beziehungsweise ab wann deren Fehlen als Angabe angesehen wird.

Ganz oft bei Interviews mit Fußballspielern fällt mir auf, dass diese ihr Licht extrem unter den Scheffel stellen und sich gar nicht der Ehre hingeben, die ihnen aufgrund ihrer Leistung eigentlich gebührte. Beispielsweise wurde ein Stürmer nach einem Spiel, in dem er zwei sehr wichtige Tore für seine Mannschaft geschossen hatte, gefragt, wie er sich denn nach solch einer überragenden Leistung seinerseits fühle. Statt darauf zu antworten, redete er etwas von einer „tollen Mannschaft“ und „die Mannschaft war sehr stark“. Leider war dies nicht die Frage gewesen, und außerdem war ER der Toppspieler des Tages gewesen. Warum also diese falsche Bescheidenheit? Natürlich ist es toll, ein Teamplayer zu sein; die Mannschaft sollte ja auch nicht unerwähnt bleiben, aber besagter Spieler hätte ja zumindest so etwas wie „ich fühle mich super, dass ich diese zwei Tore für uns geschossen habe und bin sehr stolz auf mich“ sagen können. Doch mit seinem Verhalten ist er leider kein Einzelfall; immer wieder erlebe ich – gerade im sportlichen Bereich – diese Zurückhaltung. Warum? Ein Sportler muss ja nicht gleich ins andere Extrem verfallen nach dem Motto: „Ich habe so geil gespielt, ohne mich wäre meine Mannschaft nichts, ohne mich wäre die gesamte Bundesliga nichts, ich werde sicher bald Weltfußballer,…“ Das wäre nicht nur nicht schön anzuhören und wäre in diesem Fall auch unangemessen, da Fußball nun einmal ein Mannschaftssport ist, sondern trüge sicherlich auch nicht dazu bei, Sympathien für diesen Menschen zu wecken.

Aber eine gesunde Mischung Selbstvertrauen und Stolz auf die eigene Leistung kann doch sicherlich niemandem schaden, oder? Natürlich ist es nicht einfach, ein gesundes Mittelmaß zu finden. Einerseits sollte man nicht zu tief stapeln und sein Licht keinesfalls unter den Scheffel stellen. Andererseits darf man keinesfalls arrogant oder angeberisch rüberkommen, wie beispielsweise Mitglieder des FC Bayern, die die Europaleague als die „Liga der Verlierer“ betiteln.

Ich denke aber, dass es keinesfalls verkehrt ist, wenn man auf seine Erfolge stolz ist und dies auch zeigt. Bei mir ist es so, dass ich meine Schwächen und Fehler sehr genau kenne und keinerlei Schwierigkeiten damit habe, diese zuzugeben. Im Gegenzug dazu finde ich es aber auch nicht verwerflich, ein ernst gemeintes und in meinen Augen auch angebrachtes  Lob freudig entgegen zu nehmen. Mal ehrlich: wenn ich weiß, dass ich etwas gut gemacht habe, kann ich das doch sagen. Wie blöd wäre ich denn, wenn ich gespielt demütig die Augen niederschlagen würde und ein gekünsteltes „ach wirklich? Findest du?“ hauchen würde?

Wie gesagt, es ist schwierig, die richtige Balance zwischen „eingebildet wirken“ und angemessenem Stolz zu finden – aber falsche Bescheidenheit muss ja nun wirklich nicht sein, wie Herr Busch sagte…

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